Selbstverteidigung im öffentlichen Bus

Der Selbstverteidigungsgedanke ist einer der tragenden Säulen im „Ju-Jutsu“, nicht zuletzt deswegen hat die Ju-Jutsu-Abteilung regelmäßig Selbstverteidigungs-Abende im Programm, die immer wieder verschiedene Aspekte beleuchten sollen, Verhaltensweisen hinterfragen und neue Wege aufzeigen können.
Denn nur als wirklich letztes Mittel der Wahl und ohne weitere Auswege in Sicht sollte ein Verteidigungskampf stehen.
Dem Gedanken folgend hatten die beiden langjährigen Ju-Jutsu-Trainer Karl-Heinz und Murat die hervorragende Idee einmal zu üben, wie man sich am besten im öffentlichen Nahverkehr verhält. Sei es am Wochenende von und auf dem Weg zu einer Party, sehr früh morgens zur Arbeit oder generell überhaupt wenn man mit Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen unterwegs ist.

Hier stellte sich mit Fritz (SV-Trainer der Ju-Jutsu Abteilung) ein hervorragender Referent zur Verfügung, der sehr viele Aspekte gut ausgearbeitet mit den zahlreichen Teilnehmern an einem Samstagnachmittag beleuchtete und aus seinem beruflichen Erfahrungsschatz allen sehr anschaulich vermittelte.
Um es nicht nur theoretisch erörtern zu müssen hat in besonders dankenswerter Weise die VAG Nürnberg den Post SV hier tatkräftig unterstützt, und so fuhr am 18. Juli gegen Mittag auf dem Parkplatz der Nordost-Halle des Post SV Nürnberg ein rot-weißer Bus mit Sonderfahrt ein. Dieser stand den ganzen Nachmittag über zur Verfügung um allen Anwesenden aus der Ju-Jutsu Abteilung und weiteren Gästen wirklich realitätsnahe praktische Erfahrungen bieten zu können.
Nach kurzer Lagebesprechung hieß es um 13 Uhr für alle Teilnehmer: „Die Fahrkarten bereithalten und alles Einsteigen, die Fahrt geht los!“.
Durch das große Interesse an dieser Veranstaltung wurden wirklich alle Plätzte voll belegt, und auch in den Gängen wurde es schon stehender Weise ziemlich eng, aber keiner musste draußen bleiben. Nun hätte eigentlich die geplante „simulierte Fahrt“ losgehen können, aber mit dem Szenario-Beginn kam sofort die erste Ernüchterung vom gespielten Busfahrer: „Es tut mir leid, wir müssen noch 10 Minuten auf den Anschluss-Bus warten bevor die Busfahrt weitergeht“ …so nahm das erste Rollenspiel seinen Verlauf.
Ein störender Fahrgast hatte nun begonnen einen weiteren zu belästigen, in dem er immer wieder und sehr aufdringlich um „nen Euro“ bat. Hier wurde sehr schnell klar, dass in einem wirklich vollen Bus es kaum Möglichkeiten gab so einen Störenfried einfach zu ignorieren. Erst mit Hilfe anderer beherzter Fahrgäste konnte dann gemeinsam der Querulant nach einiger Zeit beruhigt werden und dazu veranlasst sich endlich still zu verhalten oder den Bus zu verlassen.
Für die zweite „Busfahrt“ an dem sonnigen Nachmittag ist noch ein weiterer Fahrgast dann hinzugekommen. Der Präsident des Post SV Nürnberg Carsten Eckhardt ließ es sich nicht nehmen auch vorbei zu schauen und nahm dann gleich die Gelegenheit wahr mit in den Bus einzusteigen.
Ebenso wie das Erste verlief auch das zweite Szenario komplett gewaltlos, wenn auch nicht ganz leise wie zuvor, als es nämlich bei einem im hinteren Bereich sitzenden Pärchen zu einem mittleren bis größeren privaten Streit kam. Hier gelang es dann Glücklicherweise genauso mit offenen und direkten Worten von mitfahrenden anderen Fahrgästen den Streit gemeinschaftlich zu deeskalieren und die simulierte Busfahrt konnte ohne Ausarten von Gewalt friedlich zu Ende gehen.

Für den Fall das jemand doch mal handgreiflicher werden sollte, hatte Fritz dann noch ein paar einfache Tricks und Kniffe in der Hinterhand, wie man denjenigen ohne größeren Aufwand und mit einfachen Ju-Jutsu-Hebeltechniken zur Ruhe bringen könnte, selbst in einem voll besetzten Bus, bis weitere Hilfe eintrifft.

In diesen Beiden wirklich alltäglich möglichen Szenarien führte Fritz die anwesenden Teilnehmer hautnah an das Thema heran und besprach zwischendrin und am Schluss gemeinsam die neuen Erfahrungen, welche Gedanken und Gefühle sich während des Busfahrens bei jedem einzeln ergaben und gab Tipps wie man vielleicht sogar noch was besser machen kann. Gedankliche Vorbereitungen auf mögliche Probleme können hier sehr hilfreich sein um nicht plötzlich hilflos da zu stehen. Allein schon zu wissen in welchem Bus man sich befindet oder in welcher Wagennummer in der U-Bahn kann im Extremfall helfen, dass man sofort Hilfe durch VAG-Personal, Polizei oder Feuerwehr bekommen kann.
Also Augen auf, „nicht nur“ im Straßenverkehr!

Zusammenfassend kann man sagen, es war für Alle ein sehr lehrreicher und toller Nachmittag und dieser wurde mit viel Applaus und Dank für den Referenten, die Initiatoren des „SV-im-Bus“-Tages und auch der VAG Nürnberg beendet!

Andi Grau
Abteilungsleiter Ju-Jutsu Nürnberg